Warum Zeitungsverlage bares Geld verschenken?
Mathias | 14. Oktober 2008 um 9:36 |
Wer kennt das nicht? Morgens nach dem Aufstehen ist nicht viel Zeit. Schnell ins Bad, Frühstück und ab auf dem Weg zur Arbeit noch schnell die Zwerge in die Schule bringen. Wenn man sich für die Kinder und ein gemeinschaftliches Frühstück Zeit nehmen will, dann passt da die Lektüre einer Tageszeitung nicht ins Konzept.
Hoch erfreut war ich vor Jahren, als seitens unseres Zeitungsverlages in der Region ein Onlineabo angeboten werden sollte. Der SHZ bot den Abonnenten an, zusätzlich zum Papier-Abo, nun auch alle Zeitungen aus dem Verlag online zu lesen. Und das alles für nur einen Euro. Schleswig-Holstein ist gar nicht so klein und es gibt eine Menge Zeitungen. Interessant für mich wären schon so 2 bis 3 Zeitungen aus dem Portfolio.
Flugs meldete ich mich beim Verlag. Ja, das Online-Abo könne ich auch haben, aber das kostet ohne Papier-Version allein schon 15€. Die Regional-Zeitung selbst liegt bei knapp 18€ im Monat. Ich muß gestehen, ich habe bisher nie verstanden, warum Zeitungs- und auch Magazin-Verlage ihre Online-Archive vor der Öffentllichkeit verschließen.
Wenn ein potenzieller Leser etwa einen Artikel aus vergangenen Ausgaben sucht, dann hofft er doch heute, diesen Artikel online finden zu können. Er generiert Pageviews und vermutlich nicht nur einen, sondern er klickt sich durch (Clilckthrough) zu möglicherweise weiteren zum Thema passenden Artikeln. So wie wir Blogger es hoffen und “related Posts” unter oder neben unseren Artikeln einblenden. Doch die Zeitungen verschliessen ihren Content lieber hinter einer Barriere und erwarten, dass der Suchende für den Artikel zahlt. Würdet ihr das wirklich tun? Oder sucht ihr an anderer Stelle via “Tante Google” nach ähnlichen Informationen? Vermutlich gibt es auf diese Frage nur eine Antwort.
Bei Techdirt habe ich nun grade den Artikel “Dear Newspapers: Locking Up Archives Shrinks Your Business” gelesen. Hier beschreibt New York Times gemacht hat. Die Times hat ihre Archive geöffnet, stellte einen signifikanten Trafficanstieg fest und hat zudem durch den Verkauf von Online-Werbung gutes Geld verdient, das ohne die Öffnung sicher nicht verdient worden wäre. Der Bericht lässt erahnen, dass die Einmahmen durch den erhöhten Traffic deutlich über den Einnahmen liegen, die durch den Verkauf von Artikeln aus den verschlossenen Online-Archiven generiert worden sind.
In einem offenen Brief von einem Herrn Parker Mason an den Toronto Globe schreibt dieser:
I understand your thinking when it comes to locking up this content behind a pay wall: it is valuable information, so people will pay to see it.
The problem is, you are only half-right. It is valuable information, but only when it is easy to access. In the age of Google, people will quickly move on and find the information elsewhere, somewhere where it easier to get at.
Inzwischen geht der SHZ-Verlag einen Schritt in die richtige Richtung, indem mehr oder weniger relevante Artikel nun offen und für jeden Leser zugänglich über die Startseite verfügbar gemacht werden. Ältere Zeitungsartikel hingegen, oder spezielle Artikel aus den Regionalteilen findet man jedoch nur hinter “Pay-Wall”.
Da für mich der mobile Aspekt nicht ganz unwichtig ist, frage ich mich natürlich, wie der Leser denn künftig mobil auf den gesuchten Lesestoff zugreifen können soll? Was ist mit Usability beim mobilen Online-Zugriff? Ist es nicht viel sinnvoller, gut an mobile Endgeräte angepasset Seiten zu erstellen und in das Mobile-Advertising-Geschäft einzusteigen? Im stationären Web hat die NY Times eine Vorreiterrolle und ich bin sicher dort hat man erkannt, dass es auch im mobilen Bereich noch was zu holen gibt.
Ich hoffe, die Verlage öffnen mal ihre Augen und sehen endlich ein, dass im Web2.0 Zeitalter und im ausftrebenden “mobile Web” ein solch antiquiertes Verhalten eher schädlich ist.


RSS Feed
Kommentar-Feed
RSS Feed abonnieren





Micha
Hallo Mathias,
ich habe noch das Wochenend-Abo (Freitag und Samstag) und bekomme daher das Online-Abo für einen Euro. Ich nutze es auch wegen der Berichte aus der Handball-Oberliga und habe für “TSV Hürup” einen Clipping-Service eingerichtet, der natürlich wesentlich mehr liefert als der Google-Alert.
Die Kieler Nachrichten nehmen übrigens stolze 21,65 Euro oder 3 Euro zum bestehenden Papier-Abo.
Oktober 14th, 2008 at 10:17 10Daniela
Ich kann das auch nicht nachvollziehen. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand einen Artikel sooo dringend lesen will, dass er/sie dafür den Rechercheservice bezahlt.
Oktober 14th, 2008 at 10:45 10Aber wenn man sich die Website der KN ansieht, weiß man, wieviel bzw. wie wenig Interesse die am Medium “Internet” zu haben scheinen. So eine billig-schlechte Seite habe ich lange nicht gesehen …
@penzonator
Frisch gebloggt : Warum Zeitungsverlage bares Geld verschenken? http://tinyurl.com/4vzpk3
Oktober 14th, 2008 at 9:55 09Micha
@Daniela: ich ärgere mich immer, dass die KN es nicht nötig hat, die Spielberichte der Handball-Oberliga-Spiele, z. B. vom THW Kiel II oder TSV Altenholz II, nicht online bereit stellt. Der Kieler Bereich wird nämlich wohlweislich nicht vom sh:z abgedeckt. Aber das ist ein anderes Thema.
Oktober 14th, 2008 at 12:16 12Mathias
Wie war das…? Die eine Krähe… Ihr wißt schon…
Mich wundert so und so, dass der shz die KN und Eckernförder Zeitung nicht schon längst übernomemen hat, aber da spielen, so glaube ich mich zu erinnern, fammiliäre Interessen ein Rolle. Oder wie war das mit der KN noch gleich?
Oktober 14th, 2008 at 12:18 12