Die verzweifelte Suche nach der mobilen Killer-Applikation

September 19th, 2010 | Posted by Mathias in Android | Apps | mobile internet | Mobilfunk

Broken iPhone ScreenIm Mobilfunkmarkt ist einiges in Bewegung. Seit der Einführung der UMTS-Netze – wir erinnern uns an die UMTS-Frequenzauktion im Jahr 2000, die dem Staat rund 50 Milliarden Euro einbrachte – redet man vom mobilen Internet, von mobilen Breitbandanwendungen und von Killer-Applikationen. Die Suche nach der Killer-Applikation hat nicht nur die Netzbetreiber und Netzlieferanten lange Zeit beschäftigt. Auch die Hardwarehersteller, die Lieferanten der Mobilfunk-Endgeräte haben lange gesucht.

Von “der” Killer-App spricht heute niemand mehr. Das mobile Internet ist endlich da, obwohl der mobile Zugriff auf das Internet nur ein neuer Zugangsweg auf das allgemeine, althergebrachte Internet ist. Nichts weiter.

Doch schaut man sich den Markt etwas genauer an, fallen einige Dinge ins Auge. Apple hat mit den iPhones nicht nur stylische, einfach zu bedienende Smartphones aufgelegt, die nicht nur bei Apple-Junkies Stürme der Begeisterung ausgelöst haben. Zudem hat Apple eine Welt geschaffen, in der der Kunde auf einfachste Weise eine große Bandbreite an Zusatzdiensten nutzen kann. Musik, eBooks und Apps kommen via iTunes durch einfachen Klick über das (mobile) Internet auf das Handy. Bezahlt wird über iTunes. Der Kunde muss seine Kreditkarten-Daten hinterlegen, Entwickler und Medien-Anbieter bekommen 70%, Apple bekommt 30% vom Umsatz. Apple bringt alles aus einer Hand, aus einem Guss. Einfach und simpel für den Nutzer.

Google hat diese Nische ebenfalls früh entdeckt, Android als neues, offenes Handy-Betriebssystem aufgelegt und mit HTC einen Hersteller für das G1 und das Google Phone gefunden. Auch Google hat einen App-Store, den Google Market, in welchem Kunden Applikationen, eBooks, Content , Spiele und vieles mehr kaufen können. Google hat allerdings die Hardware nicht selbst und muss hier auf Hardwarehersteller hoffen, die Android auf ihre Geräte nehmen. Dies klappt bisher sehr gut. Android jagt inzwischen sogar Apple Marktanteile ab. In den USA häufen sich die Berichte über iPhone Besitzer, die als nächstes ein Android-Handy erwerben werden. Google hat ein zu Apple gleichwertiges System geschaffen, deutlich offener und mit weniger Hürden für Kunden, Entwickler und Hardwarehersteller.

Die Handyhersteller wurden von dem Erfolg von Apple und Google quasi überrollt. Nokia, der ehemalige Marktführer, hat sich offensichtlich völlig verrannt und muss nun mit neuer Führungsriege versuchen Marktanteile zurückzugewinnen. Versucht wird dies mit dem gleichen Ansatz, den Apple und Google vorgemacht haben. Es werden einfach zu bedienende Smartphones aufgelegt – Touch ist ein Must-Have – und natürlich gibt es auch einen Store für weitere Applikationen, Dienste und Multimedia. SonyEricsson, Samsung und andere Hersteller tun es Nokia gleich und versuchen mit Smartphones und Shops, ebenfalls zu Punkten. Unklar ist hier jedoch, wo die Marschrichtung liegt. Denn sowohl SonyEricsson, als auch Samsung und LG legen Android-Handys neben eigenen Betriebssystemen auf.

Microsoft will Windows pushen und wird voraussichtlich Windows Phone 7 im Herbst einführen. Aktuell wurde das Entwickler-SDK für Windows Phone 7 freigegeben. Scheinbar mit gutem Erfolg, denn 300.000 Downloads sprechen für sich. Dennoch hat auch Microsoft einen harten weg vor sich, denn obwohl der Softwareriese aus Redmond scheinbar überall präsent ist, ist der Anteil von Windows-Smartphones im Markt auf 5% gesunken. Aber auch Microsoft schlägt den gleichen weg, wie all die anderen ein. Ein Smartphone-Betriebssystem, Touchscreens, App-Store und die Freigabe der App-Plattform für externe Entwickler. Das Business-Model für Entwickler wird dem Apples entsprechen – 70/30.

Zusammenfassend lässt sich das folgende Bild zeichnen: Der Computerhersteller Apple aus Cupertino mit einer ehemals kleinen Fan-Gemeinde, hat mit seiner Smartphone- Entwicklung den Markt ordentlich durchgeschüttelt und vorgemacht, wie es geht. Durch Apple und auch durch Google wurde das Internet mobil, obwohl Netzbetreiber, Netz- und Hardwarelieferanten sich dabei abmühten. So richtig in Schwung kamen sie nicht. Aktuell hecheln sie Apple und Google hinterher. Nokia verlor sogar knapp 25% Marktanteil. Eine herbe Schlappe.

Die Killer-Applikation im Mobilfunkmarkt hat es nicht gegeben und es wird sie auch niemals geben – zumindest nicht als einzelne App, die den Markt bestimmt. Vielmehr ist es das Gesamtpaket aus Hardware, Software, Market und Entwicklerumgebung, das den Erfolg ausmacht.

Zur Zeit sehen wir von diesem Erfolg gerade erst den Anfang. Die Entwicklung wird zeigen, wo es hingeht. Es wird sich zeigen, ob Nokia den Turn-Around schaffen wird, ob Apple langfristig bestehen kann, oder Google noch allmächtiger werden wird. In diesem Zusammenhang ist auch zu betrachten, was mit den Netzbetreibern passiert. Werden sie zur gefürchteten Bitpipe? Wie werden sie vom Erfolg partizipieren können?

Creative Commons License photo credit: thetechbuzz

Ähnliche Beiträge zum Weiterlesen


You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 Both comments and pings are currently closed.

Mehr in Android, Apps, mobile internet, Mobilfunk
Nokia: Vom Market-Leader zum Follower

Nokia-Vizechef Anssi Vanjoki, Vertriebs- und Marketingvorstand im Hause Nokia, hat vor wenigen Tagen seinen Rückzug angekündigt. Dies ist um so...

Schließen